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Punkabend versus Haus Mainusch

Eine Antwort auf die „VertreterInnen des Haus Mainusch"

 

In diesem Beitrag sollen die Ereignisse in und um das Haus Mainusch seit Beginn diesen Jahres aus der Sicht der Punkabend-VeranstalterInnen geschildert werden. Zu den dahinterstehenden Verhaltensweisen einiger PlenumsbesucherInnen kann sich, im Zusammenhang mit dem Artikel der „VertreterInnen des Haus Mainusch" aus der DiWa Nr. 80, jeder seine eigenen Gedanken machen.

Die angesprochenen Probleme um die Themen Putzen und Einhalten von Absprachen sind Auseinandersetzungen, die man in allen Bereichen des Lebens antrifft, sobald Menschen Häuser oder andere Räume gemeinsam nutzen, vor allem wenn unterschiedliche Lebensentwürfe aufeinanderprallen. Hier kommt es einzig und allein auf die Kommunikationsbereitschaft der involvierten Personen an, die im konkreten Fall des Mainusch auf beiden Seiten in den letzten Jahren abnahm (ja, auch wir machen Fehler!). Der Ton zwischen uns wurde zunehmend unfairer und persönlicher, und wir schafften es alle nicht, den Auseinandersetzungen mit kühlem Kopf zu begegnen. Doch dies sind interne Probleme, die hier nicht zur Debatte stehen.

Was uns betrifft, so wollen wir uns an dieser Stelle noch einmal zu den angesprochenen Themen Sexismus und Skinheads im Haus Mainusch äußern, damit Außen-stehende die Möglichkeit haben, den Konflikt auch von der anderen Seite zu betrachten. Seit der Entstehung der Punkbewegung Mitte der 70er Jahre haben sich die Punks das Mittel der überspitzten Realität zu eigen gemacht, um mehr oder weniger bewußt gegen gesellschaftliche Mißstände zu protestieren. Punk war schon immer eine eigene Protestkultur, die in dieser Art und Weise etwas völlig Neues war. Die ersten englischen Punks haben sich Hakenkreuz-T-Shirts angezogen, um so ihre Abneigung gegen faschistisches und nazistisches Gedankengut zum Ausdruck zu bringen. Überkommene Sexualmoral und sexistische Unterdrückungsmechanismen wurden durch exzessives Ausleben aller möglichen Formen von Sexualität und der bewußten Verweigerung gängiger Schönheitsideale aufs Korn genommen. Dabei brachten Frauen schon immer ihren eigenen Beitrag zu Musik, Kleidung und Kommunikation (z.B. durch Fanzines) in unsere Kultur ein, und mußten sich auch bei uns eigenständig gegen männliche Dominanzversuche zur Wehr setzen, was ihnen in den meisten Fällen auch gelang. Über das Mittel des Schockierens sollten andere zum Nachdenken angeregt werden.

Die Punkabend-VeranstalterInnen waren immer mit dem Konsens, im Haus Mainusch einen Raum ohne Unterdrückung zu schaffen, einverstanden, lediglich unsere Formen der Auseinandersetzung mit den Themen war eine andere. Für uns war die gegenseitige Toleranz am wichtigsten, welche gewährleistete, daß verschiedene Gruppierungen ihre Lebens- und Protestvorstellungen unter einem Dach ausleben konnten. Diese Toleranz nahm in den letzten Jahren gerade seitens einiger Plenumsbesucher ab. In den Auseinandersetzungen wurden z. B. Frauen, deren Meinung sich in Bezug auf Sexismus unterschied, als „Kollaborateurinnen des Patriarchats" beschimpft. Eine in unseren Augen vernünftige Diskussion um Sexismus, wie sie z.B. der Konflikt um das geplante Kassierer-Konzert verlangt hätte, war nicht möglich, da von Seiten unserer „Widersacher" keine greifbare Definition des Wortes Sexismus als Diskussionsgrundlage geliefert wurde. Die Aussage, etwas sei sexistisch, „sobald eine Frau sich von etwas angegriffen fühlt" ist unserer Meinung nach nicht diskutabel, da man, um zu einer Einigung zu kommen, allgemeiner und weitgefaßter hätte definieren müssen. Eine Klärung der Sachlage war unter diesen Umständen nicht möglich und wir arrangierten uns, indem wir nebeneinander existierten. Da die Gegenposition keinen Deut von ihrer Meinung abwich und kaum Kompromißbereitschaft vorhanden war, sahen wir keinen Anlaß dazu, unsere Positionen aufzugeben, und führten die Auseinandersetzung auf einer satirischen Ebene weiter, die leider nicht als solche erkannt wurde - was durch diese Leute vielleicht auch gar nicht erwünscht war.

Punk als Lebenseinstellung beinhaltete schon immer, daß eine gehörige Portion Spaß an der Sache dabei sein sollte. Leider wurden und werden viele Dinge in linken Strukturen viel zu ernst genommen, so daß sich schnell Verbitterung einstellen kann. Viele von uns sind schon seit Jahren dem Punk als Teil der linken Szene verbunden und haben, vor allem Mitte bis Ende der 80er Jahre die politische Komponente des Punk in den Vordergrund gerückt. Einige zogen aus den Enttäuschungen dieser Jahre die persönliche Konsequenz, sich wieder mehr dem Spaßfaktor zu widmen, und haben sich auch dadurch ein gewisses Maß an Toleranz und Offenheit bewahren können, während sich in sogenannten linken Kreisen - und das ist jetzt ganz allgemein gehalten - immer mehr Intoleranz gegenüber Andersdenkenden breitmachte, was seinen Ausdruck in diesem unsäglichen PC-Wahn bekam.

Unserer Meinung nach ist gerade das Flugblatt „Info des Haus Mainusch zur Auseinandersetzung um den Punkabend" ein Zeichen dafür, da es einzelnen Leuten eine sexistische, rassistische und faschistische Grundhaltung - bzw. Toleranz dem gegenüber - attestierte, nur weil sie in Bezug auf Sexismus eine andere Position vertraten. Gerade diese inflationäre Benutzung von „Ismen" im politischen Kampf verwischt immer mehr die Grenzen und, um dem zu entgehen, flüchtet man sich in ein Schwarz-Weiß-Denken, welches die Vielfältigkeit, die einmal im linken Spektrum vorhanden war, abtötet. Dies ist mit ein Grund, warum es so aussieht, als wenn Punk zu einer „unpolitischen Subkultur" geworden sei.

Durch die Verschiedenartigkeit der BesucherInnen des Punkabends hat es sicherlich auch Leute gegeben, die ernstgemeinte unkorrekte Sprüche gemacht haben, schließlich ist keine Gruppe vor idiotischen Menschen gefeit. Wir haben aber, anstatt diese Leute auszugrenzen, immer versucht, auf sie einzuwirken (Anm. Struppi: Das ist nicht so ganz richtig. Es wurden durchaus einige Arschlöcher mit körperlicher Gewalt aus dem Haus geschmissen.) und sie dazu zu bewegen, über ihr Verhalten nachzudenken, da uns dieser Weg als der effektivere erschien, diese Sachen abzustellen.

Viele dieser Dinge wurden von Plenums-BesucherInnen auf die Tatsache zurückgeführt, daß in den letzten drei Jahren häufiger Skinheads beim Punkabend zugegen waren. Wer sich ein wenig eingehender mit Skinheads beschäftigt hat, wird wissen, daß diese eine - wesentlich längere - andere Entwicklungsgeschichte haben. Skins hatten, als sie sich als Subkultur Ende der 60er Jahre aus der Mod-Bewegung herausbildeten, keine eindeutige Protestkultur, und Politik war ihnen über Jahre hinweg völlig unwichtig. Sie drückten, im Unterschied zu Punk, keine festgelegte politische Meinung durch ihre Kleidung oder Musik aus und das ist gemeint, wenn sich ein Skinhead, der sich der Herkunft seines „Kultes" bewußt ist, als unpolitisch bezeichnet. Im Zuge der Punk-Explosion wurde die Skinhead-Kultur, die anfangs ganz auf schwarze Musiktraditionen basierte (Ska und Soul), neu belebt, und die sogenannte Oi!-Musik (eine unpolitische Abart des Punk) und damit die Oi!-Skins entwickelten sich. Im allgemeinen gesellschaftlichen Rechtsruck (Thatcherismus, „geistig-moralische Wende" 1983) wurde gerade die Skin-Kultur anfällig für die Unterwanderung durch Rechte jeder Coleur, die massiv in den Fußballstadien Propaganda betrieben und sich hier ihre Schläger rekrutierten. Dies führte dazu, daß sich Punks und Skins speziell in Deutschland auseinanderentwickelten. Eine Verbindung zwischen unseren Kulturen mußte also nicht erst, wie im Artikel der Mainusch-VertreterInnen dargestellt, über gemeinsames „...Saufen und Prollen..." hergestellt werden, sondern sie war schon vorher vorhanden.

Die Behauptung, die im Haus anwesenden Skinheads hätten Kontakt zur Neonazi-Szene, ist unserer Meinung nach nicht richtig, auch wenn wir nicht, ebensowenig wie für jeden Punk, für jeden Skin die Hand ins Feuer legen können. Was die „...bekannte rechte Vergangenheit..." angeht, so denken wir, so sie überhaupt vorhanden ist (wir wissen immer noch nicht, von wem hier die Rede ist), daß jeder Mensch auch ein Recht auf Irrtümer hat. Die uns bekannten Skins haben entweder eine unpolitische oder gar linke Vergangenheit, und wir begrüßen es, wenn jemand seine Fehler eingesteht, und grenzen diesen nicht für Dinge, die vor Jahren evtl. gesagt - bei Taten muß natürlich die Schwere bedacht werden - und von denen sich losgesagt wurde, von vornherein aus.
Die in diesem Zusammenhang angeführte Verknüpfung mit der Unterwanderung linker Zentren in den neuen Ländern ist unserer Meinung nach nicht zutreffend und gibt ein falsches Bild von den Vorgängen im Haus Mainusch. Der Besuch des Punkabends ist mit einem gezielten Unterwanderungs-versuch nicht zu vergleichen, hier wird mit dem längst überholten Vorurteil, daß jeder Skinhead ein Nazi sei, gearbeitet. Es ist auch von unserer Seite aus - und damit meinen wir die für den Punkabend Verantwortlichen - nie ein wie auch immer gearteter „... Schulterschluß mit den Skinheads ausgenutzt..." worden, um mit „...Randale durch Hools..." zu drohen. Im Gegenteil ging die Gewalt nicht von uns aus, denn zunächst wurden einem der Konzertveranstalter zweimal die Reifen zerstochen, und auf dem letzten Konzert wurde gegenüber einzelnen Besuchern von mehreren Personen aus dem Plenumsumfeld massiv Gewalt angedroht bzw. ausgeübt. Desweiteren bekam ein anderer Veranstalter ein Schreiben, das als Drohbrief gewertet werden muß.
Punk war, ist und bleibt eine Subkultur, die mit linken Inhalten besetzt ist, aber diese Inhalte stehen nun einmal nicht im Vordergrund.

Einige der in der Vergangenheit kritisierten Personen sind Punks, die, zum Teil schon seit jungen Jahren, auf der Straße leben und existentiellere Probleme haben, als sich mit einem sogenannten „sexistischen Rollback" auseinanderzusetzen, oder mit Begriffen wie Neoliberalismus nichts anfangen können, weil ihnen die Möglichkeiten fehlen, sich die dafür notwendige (Vor-)Bildung anzueignen. Dies entschuldigt keinesfalls idiotisches Verhalten, aber man sollte gerade von linker Seite etwas mehr Verständnis erwarten. Punks und Skins fühlen sich nicht nur als Randgruppen, sie sind es nach wie vor. Vielleicht können sich die Plenumsleute, die sich gegen den Punkabend gestellt haben, nicht vorstellen, sich neben einem wie auch immer geführten politischen Kampf Gedanken um Lebenseinstellungen zu machen. Punk hatte von Beginn an auch etwas mit „life-style" im Sinne einer Lebenseinstellung zu tun, und auch die „wirklichen" Skinheads (d.h. die, die sich auf ihre Wurzeln in den jamaikanischen Rudeboys und der Arbeiterklasse und nicht auf diesen ganzen Nazimist der 80er beziehen,) sehen ihren „Kult" als Lebensart an.
Unserer Ansicht nach entstanden die Konflikte um den Punkabend einerseits aus der mangelnden Gesprächsbereitschaft auf beiden Seiten, wenn es in den letzten Jahren um Sexismus ging, und andererseits aus der immer stärker werdenden Intoleranz gegenüber Andersdenkenden von Seiten einiger PlenumsbesucherInnen. Diese Intoleranz, entstanden aus Unkenntnis z.B. über die im Haus verkehrenden Skins und alten Ressentiments, machte es unmöglich, die entstandenen Gräben zu überbrücken. Mainz verliert damit einen Ort, an dem unterschiedliche Lebensentwürfe verwirklicht werden konnten, und die Plenumsleute haben sich endgültig in ihren Elfenbeinturm eingemauert.

Fazit: Dieser Konflikt hat allen Seiten geschadet !!!


Die Punkabend-VeranstalterInnen

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letzte Aktualisierung: 04.04.2007 15:49 © 2003 BILDungslücke