BILDungslücke in Jena
Jena 10.7.99 Auch der Osten kann nett sein.
Während
eine Rotte schon Freitag angereist war und prompt in den Loveparade
Verkehr kamen, sind der Rabo, ich und die Frauke so klug gewesen erst Samstag
den Weg nach Jena zu bestreiten. Tja Glück gehabt statt sechs Stunden
Fahrt, waren's bei uns dann knapp vier mit fast ohne Stau.
Dadurch ist uns aber der zweifelhafte Genuß eines Fußballturniers
in Jena entgangen (Die Anderen stöhnen mir Heute, 2 Tage später,
die Ohren noch voll).
Jena is' nach diversen komischen Begegnungen
bei Auftritten in der letzten Zeit wirklich 'ne Offenbarung
gewesen. Keine Obercoolen Typen, die nicht mit einem reden wollen, keine verklemmten
Hausmütterchen, die lediglich zum kochen
auf die Konzerte kommen. Ich weiß, daß is' vielleicht 'n oberflächlicher
Eindruck, den ich gewonnen hab, aber ich hab mich einfach blöd bei den
Auftritten in Magdeburg, Erfurt, Bösleben und Waldkirchen gefühlt
(Nachtrag: Da gab's ja noch 'n Auftritt in Dresden, der im grossen &
ganzen auch Klasse war).
In Jena ist die Welt noch in Ordnung,
auch wenn nicht das 100%ige Punkpublikum anwesend
war (vielleicht liegt's auch daran), sondern einfach aus 'nem Gemisch von
Leuten, so wie früher im Mainusch. Pennerpunx
neben Autonomen, Knackis und Hippies, Schüler und Arbeiter. Ich kann
für die Jenaer nur hoffen, daß sie nicht die üblichen Spaltungskriege
durchstehen müssen, denn darunter leidet einfach die Buntheit der Szene.
Mit uns zusammen spielten noch 44 Leningrad, die Musik würd' ich
mal Russen-Folk nennen. Also ich fand's nicht so spannend, aber die Leut waren
zum Teil sehr sympathisch. Weil die schon um 23:00 Uhr aufhören mußten,
gab's den unüblichen Modus, daß wir erst 'n paar Lieder spielten,
dann die 44 Leningrad und danach durften wir uns noch mal, als Headliner
betätigen.
Bei unserer ersten Hälfte waren die Leut noch 'n bißchen müde
(ich auch), aber als wir das zweite mal die Bretter, die die Welt bedeuten,
erklimmten, war doch eine gewisse Begeisterung
zu spüren und die johlenden Massen in der ersten Reihe zwangen uns dazu
fast das halbe Programm zweimal zu spielen.
Danach gab's noch 'ne angenehme Disko, bei
der sich der Julius als Menschenträger hervortat und ich die Frauke und
Moni knuddeln mußte. Während der Tom diesmal die Aufgabe sich hemmungslos
zu betrinken an seine jugendliche Freundin weitergab
und die diese auch mit Bravour erfüllte.
Den obligatorischen Essenstest bestanden
die Jenaer auch, durch Letschko (heißt dat so ?) mit Reis, daß
zwar ähnlich unserer Westdeutschen Variante "Reis mit Scheiß"
aussieht, doch dafür herrvorragend gewürzt war.
Leider gab's in der Schlafplatzwohnung keinen
Stift sonst hätten wir noch das "Zettel uff'm Kopp"-Spiel gespielt,
aber nach einigen Stunden dummen Gesprächen
und 'n paar Flaschen Wein ging dann dieser nette Abend auch so für uns
zuende.
Und am nächsten Tag fuhrn wir wieder nach Hause.
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